4.7.21 Woke oder der totalitäre Wahn

Woke oder der totalitäre Wahn

Schweizerzeit sagt, was verboten ist

von Hermann Lei, Kantonsrat, Frauenfeld

Woke ist die irre Steigerung der politischen Korrektheit, eine absurde Kampfideologie der Linken. Weshalb sie dennoch gefährlich ist.

Wikipedia erklärt Woke so: «Woke (englisch ,erwacht‘, ,wach‘, Aussprache: [ˈwoʊk]) ist ein seit den späten 2010er Jahren verstärkt verwendeter Begriff, der eine erhöhte Sensibilisierung für soziale Ungerechtigkeiten und Formen des Rassismus beschreibt. Aktivistisches oder militantes Eintreten für den Schutz von Minderheiten kann damit einhergehen. Das Wort soll in diesem Kontext ein ,Erwachtsein‘ angesichts sozialer Ungerechtigkeiten beschreiben.»

Korrektes Reden, Schreiben und Meinen
Woke verlangt korrektes Reden, Schreiben und Meinen. Woke-Waffe ist eine Pranger-Kultur in den sozialen Medien mit dem Ziel der sozialen Vernichtung des Andersdenkenden. Den ökonomischen Tod und damit die endgültige Vernichtung des Gegners ermöglicht die auf den Shitstorm folgende Cancel-Kultur: nicht mainstreamkonforme Bücher werden verboten, auf Facebook, Twitter und YouTube werden Kritiker gelöscht oder deren Beiträge zensuriert oder – noch perfider – deren Videos heimlich so manipuliert, dass der Ersteller blöd dasteht. Gleichzeitig wird Druck auf Arbeitgeber ausgeübt und es werden Strafanzeigen eingereicht. Der jakobinisch Furor der Woke-Aktivisten ist dabei gnadenlos, die Forderungen, welche rücksichtslos durchgesetzt werden sind meist entweder totalitär oder absurd, meistens beides.

Jakobinischer Furor
Und obwohl Woke nur ein totalitäres Instrument einer Aktivistentruppe ist, die für Vorteile und Vorrechte ihrer Klientel kämpft, ist Woke gefährlich: denn Woke hat willfährige Helfer in Medien und Verlagen, Schulen, Stiftungen und Universitäten – bis hin in die Vorstandsetagen, die Staatsanwaltschaften und die Gerichte. Das Auswärtige Amt in Deutschland etwa fordert seine Mitarbeiter auf, „Woke“ zu werden. Außenminister Heiko Maas (54, SPD) findet, sein Ministerium solle „an der Spitze der Bewegung“ sein. Und die Regensburger Domspatzen, seit 100 Jahren ein Knabenchor, müssen nun Mädchen aufnehmen.

«ens Mann und ens Frau gehen in ens Haus»
Selbstredend muss auch alles genderneutral sein. Man darf nicht mehr «Vater», «Mutter», «Tochter» sagen, es heisst «Eltern», «Kind» und «Geschwister». Und «Geschlechterforscher» fordern zum Schutz vor Diskriminierung statt „der/die“ oder „ein/eine“ nur noch „ens“ zu sagen – also „ens Mann und ens Frau gehen in ens Haus“ – „ens“ ist die Mitte des Wortes „Mensch“. Im Englischen soll «himself» und «herself» durch «themself» ersetzt werden. Selbst die ZEIT macht da mit: «Beim ersten Benennen einer gemischtgeschlechtlichen Gruppe, für die bislang das generische Maskulinum verwendet wird, werden zukünftig einmal weibliche und männliche Form genannt; im Folgenden kann abwechselnd die weibliche und männliche Pluralform verwendet werden, die dann die jeweils andere mit einschließt (‚generisches Femininum’).

«Wer hat Angst vor dem weissen Mann?»
Der angebliche Kampf gegen Rassismus macht vor nichts Halt: „Zigeunersauce“ wird vielerorts aus den Kühlregalen entfernt, von „Sauce ungarischer Art“ ersetzt. Mohrenköpfe heissen nicht mehr so, sondern „Waffelgestützter Eiweissschaum mit Schokoladenüberzug“. Hersteller, welche sich weigern, den Namen anzupassen, werden via deren Abnehmer so lange ausgehungert, bis sie aufgeben. Findet sich in einem Literaturklassiker ein böses Wort wie «Neger» (was meist zur damaligen Zeit keinesfalls abwertend gemeint war), so gehören sämtliche Werke der Autorin auf den Scheiterhaufen. Kinderbuchklassiker werden sorgsam durchforstet und alles abgeändert, was nicht zur politischen Korrektheit passt. Selbst Onkel Toms Hütte geht nicht mehr. In der Schule spielt man sodann nicht mehr «Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann?» und Kinder können sich an der Fasnacht kaum noch als «Indianer» oder «Scheich» sehen lassen – damit würden «schmerzhafte Stereotype» bedient, so besorgte «Erziehungsexperten».

Schach rassistisch?
Vorreiter sind wie immer die USA: Das Gebet zur Eröffnung des 117. Kongresses endete neu nicht mehr mit «Amen», sondern mit «amen and a-women». Hier steigert sich Woke zum Wahn. Denn «amen» hat nichts mit «Männer» zu tun, sondern stammt aus dem Hebräischen: «So soll es sein.» Auch kein Scherz: Schach gilt als problematisch – weil die weissen Figuren den ersten Zug machen dürfen und damit die schwarze Figur schlechtere Karten hat. Der Internet-Browser «Firefox» änderte sogar sein «Master-Passwort» in «Hauptpasswort». Grund laut Konzern: das Wort «Master» erinnere an Sklaverei («Master/Slave»), trage zum «Wachhalten von Rassismus» bei.

Jakobinische Nachahmer
Man lasse sich ob des Unsinns nur nicht täuschen. Wir haben es zwar mit verblendeten Extremisten zu tun, aber diese stehen in der Tradition der Jakobiner, welche immer Nachahmer fanden – nur leider diesmal unterstützt von orientierungslos gewordenen Mehrheiten von Mitte-Links. Und die neuen Jakobiner wissen: Wer Kultur und Sprache beherrscht, lenkt das Denken und schliesslich das Tun, was George Orwell in «1984» ausgiebig beschrieben hat

Hermann Lei