
4.7.21 Jede Minute eine Straftat
Kriminalstatistik 2020
Jede Minute eine Straftat
In der Schweiz wird im Schnitt jede Minute eine Straftat begangen und mehr als jeder 20. Einwohner wird jedes Jahr Opfer einer solchen Tat.
von Hermann Lei, Kantonsrat, Frauenfeld
Im Jahr 2020 wurden 421 678 Straftaten gegen das Strafgesetzbuch StGB, 68’000 gegen das Betäubungsmittelgesetz BetmG und 32’784 gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz AIG erfasst. Dazu Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz welche der Bund nicht erhebt. Das sind deutlich mehr als 500’000 Delikte, was bedeutet, dass in jeder Minute des Jahres ein Einwohner Opfer einer Straftat wird.
Weniger Kriminalität «dank» COVID
Im Vergleich zum Jahr 2019 ist die Anzahl der verzeigten Straftaten gegen alle drei Gesetze – StGB, BetmG und AIG – um zwischen 2 bis ca. 10% gesunken, was auf die Einschränkungen welche auf Grund der Covid-19-Massnahmen eingeführt wurden, zurückzuführen ist. Im Jahr 2020 ist dagegen die Anzahl der beschuldigten Personen auf 83318 gestiegen, die Erhöhung ist dabei mehrheitlich auf Minderjährige zurückzuführen. Über 10000 oder 8% mehr Minderjährige wurden 2020 verzeigt. Unverändert und trotz Masseneinbürgerung hoch ist der Anteil der ausländischen Staatsangehörigen mit 39.2%.
Weniger, aber härtere Kriminalität
Dramatisch ist der Anstieg der schweren Gewaltstraftaten. 2020 wurden 1668 schwere Gewaltstraftaten verzeigt, das sind 8.2% mehr als 2019. Der Steigerung ist insbesondere auf die Zunahme der Tötungsdelikte, der Vergewaltigung und der schweren Körperverletzung (zum Teil plus 22%) zurückzuführen. Auf Grund von Corona wurde im zwar öffentlichen Bereich ein Rückgang der Gewaltstraftaten registriert. Im privaten Bereich stiegen die Gewalt hingegen um satte 11%. 59.6% der Tötungsdelikte wurden im häuslichen Bereich verübt. Eine Zunahme ist auch bei den Sexualstraftaten zu finden: Plus 6.4%. Immerhin: 2020 wurden 96.4% der Tötungsdelikte aufgeklärt. Die Zahl ist so hoch, weil die Tötungsdelikte häufig im privaten Bereich begangen wurden.
Sexualstraftäter überproportional Ausländer
Im Bereich des Strafgesetzbuches (also im Bereich der «gröberen» Kriminalität) ist der Anteil der Nichtschweizer mit exakt 50% ausserordentlich hoch. Interessant sind auch «Migrationsdelikte», welche zum Teil noch nicht so lange in unser Strafgesetzbuch Eingang finden mussten. Diese neue Art von Kriminalität wird immer noch sehr wenig verfolgt: So wurde im Jahr 2020 nur einmal die Verstümmelung weiblicher Genitalien Art. 124 StGB verzeigt. Seit Einführung der expliziten Strafnorm im Juli 2012 ist das erst der zweite Fall. Es wird vermutet, dass ausser in seltenen Einzelfällen weder von Betroffenen noch von Dritten Genitalverstümmelungen an die Polizei getragen werden und die Straftat nicht oder kaum angezeigt wird. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Genitalverstümmelungen «aus Mitleid» von Schweizer Ärzten durchgeführt werden. Beweise gibt es allerding keine. Jedenfalls ist man sich einig, dass es eine sehr hohe Dunkelziffer gibt.
Alle sechs Jahre
Rechnet man die anfangs erwähnten über 500’000 Delikte auf die 8.5 Millionen Einwohner um bedeutet das, dass im Schnitt von hundert Menschen jeder 17. Opfer krimineller Machenschaften wird – und das jedes Jahr. Nach weniger als sechs Jahren ist also bei gleichbleibender Kriminalität statistisch die ganze Schweiz Opfer geworden. Alle sechs Jahre, wohlverstanden.
Hermann Lei