29.10.2025 Von Saudi-Arabien lernen

Erkenntnisse im heissen Wüstensand

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von Hermann Lei, Kantonsrat, Frauenfeld

 

Ich komme aus Saudi-Arabien zurück. Trotz der bekannten Schatten – Menschenrechte, puritanischer Islam, Moscheefinanzierung – bleibt der Eindruck stark: ein Land der Weite und der Moderne, bevölkert von Menschen, die Fremde freundlich aufnehmen.

 

Doch die Leser der Schweizerzeit erwarten keine Reisefotos, sondern Erkenntnisse. Hier sind sie.

 

Freundlichkeit als Regel

Die Saudis sind auffallend freundlich, zuvorkommend, hilfsbereit. Nicht als Marketing, sondern als gewohnte Umgangsform. Man spürt Respekt vor dem Gegenüber. Das macht das Zusammenleben leicht – und das Land für Reisende angenehm. Wir würden in der Schweiz gut daran tun, uns wieder bewusster an einfache Höflichkeiten zu halten. Sie kosten nichts, wirken aber wie Öl im Getriebe.

Riad: Tradition und Moderne

 

Migration nach Bedarf

Saudi-Arabien holt gezielt jene ins Land, die man braucht – und nur solange, wie man sie braucht. Das ist unromantisch, aber ehrlich. Wenn die Arbeit erledigt ist, geht es wieder heim. Punkt. Bei uns ist es umgekehrt: Wir bekommen massenhaft Zuwanderung in die Sozialsysteme, reden uns das als Bereicherung schön und regulieren nicht, was offensichtlich reguliert werden müsste: Qualifikation, Bedarf, Rückkehr. Wir wollen – anders als die Saudis – gerade nicht die Niedrigqualifizierten. Trotzdem kommen sie. Das ist Politikversagen, nicht Schicksal.

Strafen, die wirken

Früher drakonisch, heute immer noch spürbar strenger als bei uns, aber ohne Schaugrausamkeit: In Saudi-Arabien ist die Botschaft klar – wer Straftaten begeht, der büsst und Ausländer, die delinquieren, werden weggewiesen. Die Wirkung? Man fühlt sich selbst in Grossstädten sehr sicher. Auch Frauen bewegen sich nachts allein – ohne mulmiges Gefühl. Unsere «Kriminalexperten» behaupten hingegen seit Jahren, harte Strafen brächten nichts. Die saudische Realität sagt das Gegenteil. Eine klare Ordnung schafft Sicherheit, klare Strafen wirken Wunder.

Das Königshaus entscheidet: Vor- und Nachteile

Der König, faktisch der Kronprinz, entscheidet. Eine königliche Kommission steuert alles – auch die Bauprojekte. Das ermöglicht unglaubliches Tempo, führt aber auch zu teuren Fehlentscheiden. Neom ist das Sinnbild: Vision gross, Nutzen unklar, überall halbfertige oder unbrauchbare Projekte. Hier liegt unser schweizerischer Vorteil: Dezentralität, Mitsprache, Korrektur durch Gemeinden und Kantone. Es dauert länger, aber es klappt besser. Dass wir das nicht leichtfertig an Brüssel delegieren sollten, versteht sich von selbst.

Selbstachtung schützt

Der Islam wird freundlich, aber bestimmt verteidigt. Moscheen werden respektiert – nicht bekritzelt, nicht besudelt. Man weiss, wer man ist, und tritt so auf. Das schafft Ruhe. Wir hingegen relativieren unsere Traditionen, um ja niemanden zu stören – und ernten genau das Gegenteil: Unruhe. Wer seine eigene Kultur nicht achtet ermuntert andere, die unsrige nicht zu respektieren.

Fazit in drei Sätzen

Erstens: Saudi-Arabien zeigt, was klare Regeln bei Migration, Sicherheit und Auftreten bewirken. Zweitens: Die eigene Kultur achten und verteidigen führt zu Respekt. Drittens: Unser schweizerischer Trumpf bleibt die Dezentralität – wir dürfen ihn nicht verspielen.

Hermann Lei