27.8.2024 Was macht eigentlich….. der Blocher-Pinkler?
Die Hirschhorn-Affäre
von Hermann Lei, Kantonsrat, Frauenfeld
Paris vor fast 20 Jahren: Der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn überklebt Möbel mit Klebeband und lässt einen Schauspieler auf ein Portrait von Christoph Blocher urinieren. Sein „Zeichen gegen schleichenden Faschismus“ macht den Exil-Schweizer berühmt.
Thomas Hirschhorn, in Davos aufgewachsen, lebt und arbeitet seit 1984 in Paris. Hirschhorn versteht sich als ein Künstler, der «Kunst politisch macht». Und seine Kunst kommt daher wie seine Politik: übersteigert, chaotisch, möchtegernbedeutungsschwer. Seine Installationen sehen aus als hätte man Teenager zwei Tage lang mit Chianti, Klebeband und Stift in einem Zimmer allein gelassen. Bei Hirschhorn tönt das so: «Kunst handelt, Kunst greift ein, Kunst überfordert!».
Widerständler gegen Blocher
2003, als Christoph Blocher Bundesrat wird, gibt Hirschhorn den Widerständler: «Ich werde nicht mehr in der Schweiz ausstellen!», zetert er, er wolle ein Zeichen setzen gegen den «schleichenden Faschismus». Das Angebot der Kulturstiftung Pro Helvetia, am Centre culturel suisse in Paris auszustellen, nimmt er dennoch an. Auch Hirschhorn muss schliesslich Rechnungen bezahlen. 180‘000 Franken zahlt der Bund. Mit dem Batzen nimmt der vom Volkswillen – es ist die Zeit des Aufstiegs der SVP – enttäuschte Hirschhornbrillenträger sich die Schweizer Demokratie vor. Er will diese „desillusionieren“.
Vernissage mit pinkelnden Schauspielern
An der Vernissage von „Swiss-Swiss Democracy“ hampeln Schauspieler durch die Hirschhornwelt, einer Karton- und Klebestoffcollage verziert mit Kritzeleien auf Sekundarschülerniveau. Zu sehen sind unter anderem ein Bild eines gefolterten Häftlings aus Abu Ghraib und die Wappen der Urkantone. Als Höhepunkt pinkelt einer von Hirschhorns Darstellern symbolisch auf das Konterfei von Christoph Blocher. Damit will Hirschhorn zum Denken anregen. Der Schweizer Botschafter in Paris bleibt der Show fern.
Eine Million weniger
Der Quatsch bringt die SVP auf die Palme, führt zu einer erregten politischen Debatte über die Freiheit der Kunst und endet mit einer Kürzung des Budgets der Kulturstiftung Pro Helvetia um eine Million Franken. Hirschhorns Ausstellung aber – obwohl ihr selbst Kunstexperten wenig abgewinnen können – läuft dank der Kontroverse gut und macht ihn bekannt. Und in der linken Szene ist er nun ein Star: Franz Hohler demonstriert für den Pinkel-Künstler, der SP-Präsident und Adolf Muschg feiern ihn.
Keine Geldsorgen mehr
Hirschhorn, der in seinen Anfangszeiten in Paris noch als Zügelmann seine Brötchen verdiente, wird grosszügig aus den Kulturtöpfen alimentiert. Beispielsweise erhält er 2018 vom Bundesamt für Kultur BAK eine Ehrung und einen Preis von 40’000 Franken. Erfolglos will die SVP daraufhin die Kulturausgaben von fast 100 Millionen Franken kürzen.
Gealterter Künstler
Hirschhorn, heute mittlerweile im Pensionsalter, ist seiner Bussprediger-Attitüde treu geblieben. Hager, mit schlotterndem Hemd, kahlhaarig und immer noch mit Hornbrille, tut er seine An- und Absichten kund. Und stellt weiterhin seine „Kleber, Karton und Alufolie-Installationen“ international aus.
Aber als Steuerzahler ohne Ahnung fragt man sich, ob Kunst von Können komme. Oder ob da einer einfach Glück gehabt hat, dass ihm alle glauben, er mache Kunst.
Hermann Lei
Hirschhorn-Installation in Paris