21.3.20 Das grosse Sterben der Insekten

200321 SZ Sterben der Insekten

 

Zuwanderung bedeutet Artensterben

von Hermann Lei, Kantonsrat, Frauenfeld

 

Insekten sterben und den Ruf des Rebhuhns, des Raubwürgers, Wiesenpiepers und Steinkauzes hört man nicht mehr. Dafür gibt es einen Grund.

 

Sie summen, sie zirpen, sie erfreuen uns mit ihrer Schönheit. Bienen schenken uns Honig, viele Arten bestäuben die Pflanzen. Käfer, Mücken und ihre Larven ernähren Fisch und Vogel sowie auch manches Säugetier. Doch: Die Bestände sind dramatisch zurückgegangen. 60 Prozent der Insektenarten in der Schweiz sind gefährdet.

 

Flächenfrass und Zerstückelung

Insektenkiller Nummer 1 ist der Flächenfrass. Die Ausbreitung von Siedlungs-, Industrie- und Verkehrsflächen ist ein entscheidender Grund für die Zerstörung von Lebensräumen. Dazu kommen Stickoxidemissionen von Verkehr, Industrie und Haushalten. Auch die Zerschneidung des Lebensraums tötet Insekten: Im Mittelland sind deren Lebensräume selten geworden und liegen oft zu weit auseinander. In Siedlungen trägt auch die Lichtverschmutzung zum Rückgang der Insekten bei. Und: auch Windkraftanlagen können regional eine Rolle beim Rückgang mancher Fluginsekten-Populationen spielen. Daher erstaunt nicht, dass der WWF als Hauptursache für die Zerstörung von Lebensräumen das weltweit rapide Bevölkerungswachstum nennt. Das gilt auch für die Schweiz: Die Zunahme der Schweizer Bevölkerung – sie beruht allein aufgrund der Zuwanderung –  um eine Million in 13 Jahren  führte dazu, dass 40 mal eine Stadt in der Grösse von Frauenfeld gebaut werden musste.

 

Drei Bienen pro Minute

Pro Jahr werden wegen der Zuwanderung 237.5 Fussballfelder (FIFA-Norm) à 7140 m2 überbaut, das sind 1’695’750 m2. Rechnet man – ohne Gewähr – mit einer Biene pro Quadratmeter, so verschwinden 1.7 Millionen Bienen pro Jahr, jede Minute drei. Zwar hat auch die Landwirtschaft ihren Anteil am Insektensterben. Die Steigerung der Flächenproduktivität ab Mitte des 18. Jahrhunderts durch landwirtschaftliche Neuerungen, Intensivierung der Abbaumethoden und Mechanisierung ist immer noch im Gang, ja sie verstärkt sich, zum Beispiel durch starken Pestizideinsatz und zunehmend bodenunabhängige Produktionssysteme, welche die Insekten bedrohen. Die Bauern machen viel, um die Biodiversität zu erhalten, müssen viel machen. Aber, so hält der Bund glasklar fest: «Angesichts des (…) nationalen Bevölkerungswachstums gilt es, die landwirtschaftliche Produktion zu steigern (…).» Mehr Menschen bedeutet weniger Kulturland, es wird eng und intensiv. Noch mehr Bienen werden wegen der Zuwanderung sterben, noch mehr Insekten gehen ein.

 

Massenmord an den Insekten

Rechnen wir vorsichtig: Aufgrund des Bevölkerungswachstums verschwinden jedes Jahr 2 Millionen Bienen und viele andere Insektenarten mit ihnen. Das Bevölkerungswachstum – das allein getrieben ist von der Zuwanderung, es gibt keine anderen Faktoren – ist also zumindest mitverantwortlich für das grosse Sterben der Insekten. Und mit den Insekten verschwinden die Vögel. Das Rebhuhn zum Beispiel ist rund um den Bodensee bereits ausgestorben. Auch den Ruf des Raubwürgers, Wiesenpiepers und Steinkauzes hört man nicht mehr. Ihnen fehlen die Insekten als Nahrung. Die Küken sterben einen leisen Tod.

Die Begrenzungsinitiative ist unsere Chance, der Natur wieder mehr Raum zu geben.

Hermann Lei