
171011 „Dumme“ Schüler mit Sex kurieren
21_Schweizerzeit_PDF dumme Schüler
Linke Seilschaften
von Hermann Lei, Kantonsrat, Frauenfeld
Die Straftaten des gefallenen linken Starpädagogen Jürg Jegge gelten als verjährt, die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren im Rekordtempo ein. Bei SVP-Leuten wäre das wohl kaum so einfach gegangen.
Der Starpädagoge
Jürg Jegges Bestseller «Dummheit ist lernbar» schlug in Pädagogenkreisen in den 70er Jahren wie ein Blitz ein. Auch mein damaliger Lehrer schwärmte davon. Seither wurde der «Lehrer der Nation», als «Meisterpädagoge» oder als «Lichtgestalt» in einem Zug mit Jean Jacques Rousseau oder Heinrich Pestalozzi genannt. Dass Jegges „System“ darin bestand, dumme Schüler mit Sex zu behandeln wusste man zwar noch nicht. Aber Jegge vertrat schon damals eine heikle Beziehungspädagogik. Er machte den Lehrer zum Therapeuten, der den intensiven Austausch mit dem Schüler pflegen solle: „Es gibt ja genug Gelegenheiten.“ schrieb er.
„Homosexueller, Mädchenverführer, verspätet Pubertierender“
Auch in meiner Ausbildung zum Lehrer wurden wir dazu animiert, mit den Kindern über Privates zu reden. Man empfahl uns beispielsweise, sie zu bitten, mit ihnen in ihr Kinderzimmer zu gehen. Der eine – konservative – Lehrer, der dies als Grenzüberschreitung anprangerte, der forderte, den Schülern ihren Freiraum zu lassen, wurde von anderen Lehrern und vom Rektor geschnitten und bekämpft. Die Zeichen, dass Jegges Intim-Pädagogik den Missbrauch begünstigte, wollte man nicht sehen. Obwohl sein Umfeld sehr früh Alarmzeichen wahrnahm und Jegge dies auch nicht verhehlte. Er sei als „Kommunist, Homosexueller, Mädchenverführer, verspätet Pubertierender“ verschrien worden, schrieb Jegge.
Allgemeingut im grün-linken Kuchen
Doch das schadete ihm nicht, der Zeitgeist war mit Jegge. Er sagt heute selbst: „Es war mir klar, dass das strafbar ist. (…) Ich fand Bestimmungen und Vorschriften einengend. Es war eine Zeit, in der Tabubrüche in der Luft lagen.“ „Das zeigt auch die Diskussion um die Grüne Partei in Deutschland und ihre Beziehung zur Pädosexualität in den Siebzigerjahren.“ „Das war dazumal in diesem grün-linken Kuchen und in der Zeit der sexuellen Befreiung wirklich fast Allgemeingut. … In einem recht grossen und lebendigen Teil des politisch rot-grünen Spektrums“. Dieser grün-linke Kuchen wechselte seither von der Schulstube in die Schaltzentralen der Macht. Und unterstützt Jegge.
An den Schalthebeln der Macht
Hans Rothweiler, ehemaliger Projektleiter der Zürcher Erziehungsdirektion schwärmt zum Beispiel noch heute über seine Zeit und Freundschaft mit dem Bubenschänder: «Wir haben zusammen gefressen und gesoffen.» Jegge war in den 1980er-Jahren auch Dauergast und Mitarbeiter von Schweizer Radio und Fernsehen. Bis heute fühlt man sich beim SRF offenbar mit ihm verbunden: Nachdem Jegge aufgeflogen war versuchte man tagelang den schweren Fall niederzuschweigen. Und auf seine Gesinnungsgenossen in der Zürcher Justiz kann sich der Altlinke ohnehin verlassen: Die Strafuntersuchung gegen Jegge kam – viel schneller als bei bekannten SVP-Exponenten – zu einem extrem schnellen Abschluss: Alle Untaten seien verjährt, erklärt man.
Selektive Justiz
Das Missbrauchopfer, das diesen Jegge entlarvte, macht der Justiz deswegen schwere Vorwürfe: vier langjährige Mitarbeiter des Ex-Starpädagogen seien nicht befragt worden, obwohl dadurch Informationen über nicht verjährte Taten hätten gewonnen werden können. Ein Opfer sei von der Staatsanwaltschaft ebenfalls nicht einvernommen worden. In der Tat macht die Strafverfolgungsbehörde einen wenig interessierten Eindruck. Zu spät, zu weit weg die Opfer, zu kompliziert scheint alles zu sein. Eine Information nach Österreich, wo Taten noch nicht verjährt sein könnten, unterliess man. In Rekordzeit hat die Zürcher Staatsanwaltschaft die Einstellung des Verfahrens gegen den heute 74-jährigen Jegge angekündigt.
Bei SVP-Leuten wäre das wohl kaum so einfach und nie so schnell gegangen. Der gefallene linke Starpädagoge Jürg Jegge hat hingegen nichts zu befürchten – die linken Seilschaften funktionieren noch.
Hermann Lei