
16.10.2025 Holzweg der Pädagogik
Lehrplan 21
von Hermann Lei, Kantonsrat, Frauenfeld
Zum Glück bin ich nicht mehr Lehrer. Denn heute wäre ich «Lern-Coach», Animator und müsste «Kompetenzen» vermitteln und die Schüler vermessen. Statt Wissen und Werte lehren.
Seit Jahren läuft der Lehrplan 21 in unseren Schulzimmern. Harmlos im Namen, hart in der Wirkung: statt Wissen zu lehren, sollen Kinder selbst herausfinden, was sie lernen wollen. Was bei sehr angepassten Schülern gelegentlich klappt, lässt lebhafte Kinder reihenweise abstürzen, vor allem die Buben. Der Lehrer wird zum Lern-Coach, Autorität zum Tabu – und die Resultate sind entsprechend.
Der Denkfehler: Kompetenzen ohne Fundament
Der Lehrplan 21 kehrt die Reihenfolge um: erst beurteilen, dann lernen. Kinder werden schon bewertet, bevor sie Substanz erwerben. Frontalunterricht, üben, korrigieren ist «Schnee von gestern». So produziert man vor allem Verunsicherung und Zufallstreffer, nicht solide Grundbildung. Und die Lehrer haben so viel Spielraum, dass sie den Stoff auslassen können, welcher ihnen nicht behagt.
Ohne Autorität keine Schule
«Kommandieren, Kontrollieren, Korrigieren» habe ich in der Unteroffiziersschule gelernt – und in meinen jungen Jahren als Lehrer eingesetzt: Ziele setzen, üben lassen, verbessern. Wenn Erwachsene sich zurücknehmen und hoffen, die Klasse reguliere sich selbst, übernimmt eben nicht das Lernen, sondern der Lärm. Die Folge: Nicht nur, aber vor allem die Buben hängen ab, es löscht ihnen ab.
Die Verlierer: Kinder ohne Rückenwind
Früher holten konsequente Lehrer auch Kinder aus bildungsfernen Haushalten ab. Heute bleiben genau diese auf der Strecke. Statt Struktur gibt es Diagnosen – ein Stempel hilft aber niemandem. Was diese Kinder brauchen, sind starke Lehrer, Übung, Wiederholung, klare Regeln – nicht «Selbststeuerung» im pädagogischen Nebel.
Lehrer am Anschlag, Eltern weichen aus
Der Verschleiss ist hoch: Viele Lehrer brennen aus und wechseln den Beruf. Gleichzeitig wächst die Zahl der Familien, die in Privatschulen oder in die private Beschulung ausweichen. Wenn das Volksschulsystem die Mittelschicht verliert, ist das kein Trend, sondern ein Notruf.
Zurück zum Bewährten – was jetzt zu tun ist
Die Schule muss zurück zu den Grundlagen: Lesen, Schreiben und Rechnen täglich üben und sorgfältig korrigieren. Der Lehrer muss führen, nicht coachen – er setzt Grenzen und schützt die Lernwilligen. Leistung zählt: klare Prüfungen, transparente Noten statt Papierberge. Disziplin und Anstand sind durchzusetzen, der Lehrplan 21 auf das Wesentliche zu reduzieren.
Hermann Lei