
12.5.2025 Blocher deckt auf: Hildebrand-Affäre entlarvt politische Justiz
Teil 2 zum Buch «Blocher, Hildebrand und Widmer-Schlumpf»
von Hermann Lei, Kantonsrat, Frauenfeld
Philipp Hildebrand sonnt sich wieder im Rampenlicht – als wäre nichts gewesen: Ein Nationalbank-Präsident, der dank Insider-Wissen Dollar-Deals tätigte, eine Bundesrätin, die ihn trotz klaren Verfehlungen schützte, und eine Justiz, die lieber die Überbringer der Wahrheit jagte als den Täter.
Ein neues Buch enthüllt nun brisante Fakten zu diesem Fall – und rückt Christoph Blochers Rolle als unbeirrbarer Aufdecker ins verdiente Licht.
Die Dollar-Deals und der Rücktritt
Ende 2011 kaufte SNB-Präsident Hildebrand persönlich eine grosse Summe Dollar – zwei Tage bevor die Nationalbank Marktinterventionen beschloss, die den Dollarkurs hochtrieben. Der Verdacht lag nahe, dass er von internem Wissen profitierte. Obwohl das Fehlverhalten bald klar war, trat Hildebrand erst am 9. Januar 2012 zurück – als der öffentliche Druck zu gross wurde. Der Vorfall erschütterte das Vertrauen vieler Bürger in die Unabhängigkeit und Integrität der SNB.
Bundesrätliche Protektion statt Aufklärung
Während die Öffentlichkeit Aufklärung forderte, schirmte Bundesbern Hildebrand ab. Eveline Widmer-Schlumpf, damals Bundesrätin, wollte seinen Rücktritt mit allen, auch unlauteren Mitteln verhindern – obwohl sein Verhalten längst nicht mehr haltbar war. Erst als der Druck von Medien und Bevölkerung zunahm, musste auch die Politik einlenken. Bis zuletzt jedoch genoss Hildebrand Rückhalt auf höchster Ebene – ein Beleg für ein enges Netzwerk politischer Loyalitäten, das das öffentliche Interesse in den Hintergrund drängte.
Blocher als unbequemer Aufdecker
Dass der Hildebrand-Skandal überhaupt publik wurde, ist vor allem Christoph Blocher zu verdanken. Der alt Bundesrat erfuhr von mir von den verdächtigen Transaktionen, kontaktierte sofort Bundespräsidentin Calmy-Rey und übergab die Beweise. Blocher handelte entschlossen – gegen den Willen des Establishments. Er trat öffentlich auf, forderte Konsequenzen – und wurde prompt verdächtigt, politisch motiviert zu handeln. Doch die Fakten gaben ihm recht. Blocher liess sich weder von medialem Druck noch von Drohungen einschüchtern. Sein Einsatz legte die Verfilzungen zwischen Politik und Hochfinanz offen.
Abbildung 1 „Ich schickte Blocher die Konto-Unterlagen“, Blick Printausgabe vom 09.01.2012
Politische Justiz auf dem Holzweg
Statt Hildebrand zur Rechenschaft zu ziehen, richtete sich der juristische Eifer aber gegen die Aufdecker. Ein Bankinformatiker und ich wurden wegen Bankgeheimnisverletzung verurteilt. Gegen Hildebrand wurde nie ermittelt. Besonders bedenklich: Ein Staatsanwalt prahlte in einem Restaurant, man werde Blocher und die SVP den Garaus machen. Diese Aussage entlarvt, wie politisch motiviert Teile der Justiz agierten. Während wir für unseren Einsatz kriminalisiert wurden, wechselte Hildebrand nahtlos zur globalen Finanzelite. Das Signal ist klar: Wer mächtigen Interessen in die Quere kommt, wird abgestraft, wer zur Elite gehört, wird protegiert. Das ist ein gefährlicher Befund für unseren Rechtsstaat.
Vom Saubermann zum Strippenzieher bei BlackRock
Schon im Oktober 2012 wurde Hildebrand Vice Chairman bei BlackRock – dem weltgrössten Vermögensverwalter. Sein Gehalt dort: ein Vielfaches des SNB-Lohns. Der rasche Wechsel weckt den Verdacht, dass die Nähe zur internationalen Finanzwelt bereits während seiner Amtszeit bestand – und womöglich auch seinen Aufstieg nach dem Rücktritt begünstigte. Hildebrand inszenierte sich in den Folgejahren als globaler Finanzstratege und strebte – allerdings erfolglos – internationale Ämter an. Anfang April 2025 trat er gar als selbsternannter Experte vor den Bundesrat – um der Landesregierung Tipps im Umgang mit der US-Politik zu geben. Dieser Auftritt zeugt von einem erstaunlichen Selbstbewusstsein – oder einem sehr kurzen Gedächtnis in Bern.
Weltschelme, die sich im Amt privat bereichern
Hildebrand hätte sogar Nachfolger seines Ziehvaters Klaus Schwab beim WEF werden sollen – vielleicht hat mein Buch dazu beigetragen, dass uns das nun erspart bleibt. Denn die Parallelen sind da: Hildebrand hat sich durch seine Handlungen im Amt privat bereichert. Und genau dasselbe wird dem WEF-Gründer Schwab vorgeworfen. Zu Redaktionsschluss war zwar nicht klar, was an den Vorwürfen dran ist. Aber eines ist klar: Weder Schwab noch Hildebrand mussten wegen ein paar zehntausend Franken gehen – da steckte und steckt mehr dahinter.
Abbildung 2 «Unrühmlicher Abgang»: «Bilanz»-Cover vom 13. Januar 2012
Kurzes Gedächtnis – oder Filz?
Dass Hildebrand heute wieder als Berater in der Schweizer Politik auftreten darf, zeigt: Gewisse Kreise haben längst verziehen – oder bewusst verdrängt. Blocher hingegen bleibt für viele unbequem, obwohl er wesentlich zur Aufdeckung beigetragen hat. Die Affäre ist mehr als ein Kapitel Vergangenheit. Sie zeigt bis heute, wie eng Politik, Justiz und Finanzwelt mitunter verwoben sind. Und wie wichtig mutige Einzelne sind, die hinsehen, handeln und Missstände aufdecken. Christoph Blocher tat genau das – gegen heftigen Widerstand.
Realer Polit-Krimi
Mein nun erschienenes Buch dokumentiert die Ereignisse mit bisher unveröffentlichten, brisanten Details. Es zeigt: Hildebrand handelte nicht alleine. Eine Bundesrätin schützte ihn, eine Staatsanwaltschaft verfolgte seine Kritiker, dunkle Kreise veränderten im Hintergrund Dokumente. Das Buch entlarvt die offiziellen Narrative und zeichnet ein ganz anderes Bild der Affäre. Eine funktionierende Demokratie braucht mutige Aufdecker – auch wenn sie dafür persönlichen Risiken ausgesetzt sind. Und sie braucht eine Justiz, die unabhängig bleibt und nicht politische Interessen verfolgt.
Die Affäre Hildebrand ist ein Weckruf. Das Buch ist ein wichtiges Dokument – weil es erinnert, was geschehen ist, und warnt, was sich wiederholen könnte.
Hermann Lei