1.3.2025 Sozialismus und Katzenklo

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Katzen-Waffenschein?

von Hermann Lei, Kantonsrat, Frauenfeld

Wer im Thurgau einen Hund hält muss in 10 Lektionen «Leinenführigkeit, allgemeiner Gehorsam und Verhalten in der Umwelt» lernen. Was kommt als nächstes? Die Katzen. Und sollte der Staat nicht auch einen Kurs für Meerschweinchenhalter einführen?

Katzen-Waffenschein
Kürzlich erreichte uns Kantonsräte ein Schreiben einer «Katzenverhaltenstherapeutin». Sie fordert einen obligatorischen Theoriekurs für all jene, die zum ersten Mal eine Katze bei sich aufnehmen wol-len. Die Liste der zu behandelnden Themen reicht von der Körpersprache der Katze über das Spielver-halten bis hin zum «Katzenklo-Management».

Was kommt als Nächstes – die Kastrationsprüfung?
Als Nächstes müssen wir uns dann wohl darauf einstellen, dass für jeden Schritt in der Katzenhaltung ein weiteres Zertifikat erforderlich wird. Wer seine Katze kastrieren lassen möchte, muss einen Kurs besuchen. Wer das Katzenklo reinigen will, die korrekte «Technik» erlernen. Und natürlich wird das alles mit einer bürokratischen Flut von Regulierungen erreicht. Die Absichten sind gut – aber sie at-men den Geist sozialistischer Bevormundung.

Der Katzenkurs – Bürokratie der Zukunft?
Betrachten wir die Forderung nach einem verpflichtenden Katzentheoriekurs noch einmal im Detail. Die Verfasserin des Schreibens, eine Expertin auf dem Gebiet der Katzenverhaltenstherapie, stellt eine Verbindung zwischen der Anzahl unerwünschter Katzen in Tierheimen und dem mangelnden Wissen von Erstkatzenhaltern her. Sicher gibt es unüberlegte Tierkäufe und das ist bedauerlich. Aber ist ein verpflichtender Kurs wirklich die Lösung? Muss überall der Staat eingreifen?

Katzensprache lernen
Können wir uns das vorstellen? Ein junger Katzenliebhaber, der endlich den Entschluss gefasst hat, eine Katze zu adoptieren, steht nun vor dem bürokratischen Hindernisparcours. Bevor er sich das flauschige Tier ins Haus holen darf, muss er erst einen Theoriekurs besuchen vielleicht sogar noch eine praktische Prüfung ablegen. Wird man in einem Klassenzimmer sitzen und lernen, wie man das Kat-zenklo richtig befüllt? Oder wie man die feinen Nuancen der Katzensprache entschlüsselt?

Katzenflüstern – Die hohe Kunst
Sicher: Katzen sind sensible Wesen mit individuellen Bedürfnissen und nicht jeder Katzenhalter ist sofort ein Experte. Doch ein Theoriekurs? Eine Klasse voller «Erstkatzenhalter», die gebannt den Aus-führungen eines Katzenflüsterers lauschen? «Achten Sie auf die Ohrenhaltung der Katze! Wenn sie nach vorne gerichtet sind, könnte das bedeuten, dass sie interessiert ist. Aber wenn sie nach hinten zeigen, dann… Achtung!» Statt sich einfach auf die jahrhundertealte, instinktive Beziehung zwischen Mensch und Tier zu verlassen, müsste man nun Katzenflüstern auf akademischem Niveau erlernen.

Beispiel sozialistisch angehauchter Bevormundung
Die Forderung nach einem Theoriekurs für Katzenhalter ist ein Beispiel für eine Tendenz, die in der modernen Gesellschaft immer stärker zu Tage tritt: die Überregulierung. Wo früher gesunder Men-schenverstand und eigenverantwortliches Handeln ausreichten, fordert man heute in sozialistischer Weise Regelungen, Kurse und Zertifikate für alles und jedes.
Bald wird es wohl nicht mehr möglich sein, einen simplen Spaziergang mit dem Hund zu machen, ohne vorher eine theoretische Schulung zur Leinenführung besucht zu haben.
Hermann Lei