
1.3.2025 Schweizer Modelabel? Vorsicht Falle!
Traum und Albtraum
von Hermann Lei, Kantonsrat, Frauenfeld
Ihr Kolumnist wollte eine schöne patriotische Strickjacke kaufen. Was das mit China und mit Clau-dio Zanetti zu tun hat.
Ein verlockendes Angebot auf der Webseite von «Stella Zürich» – eine Herren-Strickjacke mit lässigen Knöpfen, Taschen und Reverskragen, einfarbig, langärmelig, zum halben Preis. CHF 79.95 statt CHF 160.00. Wer könnte da widerstehen?
Leidenschaftliche Modeenthusiastin
Die Präsentation des Online-Shops, das vermeintlich einheimische Modeunternehmen mit Sitz in Zürich, verstärkt den Reiz. «Im Herzen von Zürich, wo Tradition auf Innovation trifft», beginnt die Geschichte von «Stella Zürich», die auf der Webseite erzählt wird. Gezeigt wird eine leidenschaftliche Modeenthusiastin, die durch die belebten Strassen von Zürich geht und von einer Marke träumt, die das reiche Erbe der Stadt mit zeitgenössischem Stil verbindet. Eine Geschichte, die anspricht, die Vertrauen erweckt: Ich habe mich gefreut, dass hier eine Schweizer Firma Kleider produziert und nicht billige Ware aus dem Ausland importiert – und die erwähnte Zürcher Strickjacke geordert.
Billiger Plastikkittel
Doch statt der schönen Strickjacke trifft nach Wochen ein billiger Kittel aus Plastikmaterial, unbrauchbar und meilenweit entfernt von der auf der Webseite angepriesenen Qualität, bei mir ein. Jetzt merke ich, ich habe gar nicht einheimische Handwerkskunst erhalten, sondern minderwertige Massenware aus China. Und das Netz ist voll von Kunden, die sich vom angeblichen Schweizer Modelabel betrogen fühlen: Lange Lieferzeiten, zusätzliche Kosten, Probleme bei Retouren und unbrauchbare Fernostware – die Liste der Beschwerden von Geprellten ist lang. Auf Bewertungsportalen häufen sich negative Kommentare und Erfahrungsberichte.
Abbildung 1 links: angepriesene „Strickjacke“ rechts: Ihr Kolumnist in der gelieferten Plastikplane
Strafbehörden machtlos?
Ich wollte ein einheimisches Schweizer Produkt kaufen und wurde getäuscht. Es stellt sich die Frage, wie solche Unternehmen ungestraft agieren können. Arglose Kunden werden mit falschen Versprechungen und irreführenden Angaben überlistet. Die Strafverfolgungsbehörden scheinen machtlos zu sein – oder machen sie nichts? Offenbar ist man lieber mit Anderem beschäftigt. Bei angeblichen Meinungsdelikten ist die Staatsanwaltschaft jedenfalls immer schnell zur Stelle. So findet man Zeit, Alt-Nationalrat Zanetti wegen Rassendiskriminierung zu verfolgen, weil dieser auf X (früher Twitter) die Terrororganisation Hamas mit einem Hakenkreuz versehen hat.
Kuscheln gegenüber Betrügern, Härte gegen Meinungen
Es ist an der Zeit, dass die Behörden konsequent gegen solche Shops vorgehen, die sich als Schweizer Geschäfte tarnen. Die Konsumenten müssen besser geschützt werden, und die Strafverfolgung sollte ihre Prioritäten überdenken. Es kann nicht sein, dass Betrüger ungestraft davonkommen, weil man damit beschäftigt ist, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen.
Hermann Lei