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von Hermann Lei, Kantonsrat, Frauenfeld

 

Unser Nils ist 9 Jahre alt. Doch schon wird er aufgefordert, dem Staat Auskunft zu geben.

 

Am 30.5.2018 erhält mein Bub Nils, zarte 9 Jahre alt, eine an ihn adressierte Aufforderung des Bundesamtes für Gesundheit. Eine Salome von Greyerz vom Direktionsbereich Gesundheitspolitik wendet sich an unseren «Lieben Nils Zacharias». Woher Frau von Greyerz Namen und Anschrift meines Sohnes hat verrät sie nicht.

 

«Wie ist das für Dich?»

In einem längeren Brief wird Nils gefragt, ob es in seiner Familie eine Person gebe die krank oder schon älter sei oder einen Unfall hatte. Wenn ja, so würde das Bundesamt sehr gerne von Nils erfahren, wie es ihm dabei gehe. Beispielsweise werde er gefragt: «Wie ist das für Dich? Was wünschst du dir?». Ein Forschungsinstitut in Zürich habe dazu einen Fragebogen gemacht. Das Forschungsinstitut in Zürich ist natürlich gfs.bern, die Ex-Firma von SP-Mitglied Claude Longchamp, der dank guten Kontakten zu staatlichen und parastaatlichen Institutionen ein Quasi-Monopol für lukrative Aufträge hat.

 

Es winkt ein Tablet

In einem Beiblatt werde ich als Elternteil aufgeklärt, dass mein Kind durch ein Zufallsverfahren vom Bundesamt für Statistik ausgewählt worden sei. Es folgen ausführliche und schwer verständliche Anweisungen. Zudem soll ich eine Einverständniserklärung unterschreiben. Bevor ich die unsinnige Umfrage in den Papierkorb werfe, sehe ich noch, wie unsere Kinder dazu verlockt werden sollen, ihre Daten zu liefern: «Jeder, der an dieser Umfrage mitmacht, nimmt an der Verlosung von einem Tablet-Computer und 100 Reisegutscheinen im Wert von Fr. 20.- teil.»

 

Soziologengewäsch

Aus den Begleitbriefen für meinen Sohn wird nicht wirklich klar, worum es bei dieser Befragung geht. Das Internet verschafft Klarheit: Als Teil der seit Jahren dahindümpelnden Fachkräfte-Initiative von bald Ex-Bundesrat Johann Schneider-Ammann wurde ein offensichtlich gut dotiertes Förderprogramm «Entlastungsangebote für pflegende Angehörige» ins Leben gerufen. Dieses Programm wolle die Situation und Bedürfnisse von pflegenden Angehörigen erforschen. Das tönt relativ stark nach Soziologengewäsch und in der Tat gibt es sogar einen Beirat, bestehend aus Philosophen, Ethikern, jeder Menge Soziologen, Entwicklungspsychologen und ausländischen sonstigen Fachkräften. Auch wenn ich fürchte, mich damit irgendwie strafbar zu machen werfe ich nun den Fragebogen endgültig ins Altpapier.

 

«Erinnerst Du dich…?»

Es dauert nur 6 Wochen, da erhält der kleine Nils einen zweiten Brief vom Bundesamt für Gesundheit: «Erinnerst Du Dich noch an den Brief, den wir Dir vor ein paar Wochen geschrieben haben? Du würdest anderen Kindern und ihren Familien sehr viel helfen, wenn Du mitmachst.» heisst es vorwurfsvoll. Und wieder wird mit Geschenken gelockt. Auch ein Brief an die Eltern ist wieder beigelegt, überschrieben mit «Erinnerung zur Teilnahme». Auch uns soll also ein schlechtes Gewissen gemacht werden.

 

Nils kann leider kein Tablet gewinnen, denn auch diesen Brief habe ich der Altpapiersammlung übergeben. Statt unsere Kinder mit unsinnigen Umfragen zu belästigen sollten unsere Fachkräfte in der Regierung ihre Arbeit machen.

 

Hermann Lei